09
Jul.

Die Finne in Morgenröte von Michael Kölbl , auf der Gemeine Finne

Senntücher in der Morgenröte

Um 5:30 Uhr geht die Sonne auf, falsch, die Tage werden schon wieder kürzer und hier oben zeigt sich das deutlich, sie taucht jetzt erst nach 5:45 Uhr am Firmament auf. Der erste Motormäher brummt aus einiger Entfernung auf, Reinhard hat das Vieh längst in den Stall zum Melken getrieben, Bernadette ist nun auch unten in der Hütte und richtet Frühstück, es wird gleich 6 Uhr. Überhaupt, die Tage hier droben sind von Arbeit geprägt, “Zu schaffen gibt’s immer was, da bräuchtest nit aufhören”, höre ich öfter.

Bernadette fährt heute mit zweien ihrer “Schmelga” (Mädls) und Jonas ins Tal um das Schulzeugnis abzuholen, um 8 Uhr müssen sie bereits in der Kirche zum Schulabschlussgottesdienst sein. Sarah, die älteste Tochter, bleibt hier, sie ist massiv beinträchtigt – 7 große Operationen im Bauchraum hat das Schmelga schon hinter sich gebracht, 10 Jahre ist sie alt. Die Schneiders als Eltern verlangen mir größten Respekt ab, Bernadette strahlt eine derartige Gelassenheit und Ruhe aus, als ob sie gar nicht alle Hände voll zu tun hätte, sie wirkt, als ob immer noch ein wenig mehr ginge.

Wie oft ich schon miterleben musste wie quängelnden Kindern blanker Zorn entgegnet wird, damit sie doch endlich still und brav – also ruhig – seien, hier oben in der Finne ist das anders. Die Kinder hier heulen genau so oft wie anderenorts auch, aber wenn, dann heulen sie nicht lange, sondern lachen und kudern alsbald wieder, ihre Eltern machen das toll, man bedenke: Vier Kinder, Sarah sitzt im Rollstuhl und erhält Nahrung über eine Sonde.

Kraft holen sich die Eltern bei den Abendausflügen, Sahra bleibt in diesen Stunden in der Hütte und es tut ihr offensichtlich gut, sie braucht Zeit und Ruhe für ihre eigene Welt.

This video was embedded using the YouTuber plugin by Roy Tanck. Adobe Flash Player is required to view the video.

Schreibe einen Kommentar

6 Kommentare

  1. @ Anja: Mh, im Moment nit.

  2. Wunderschöner Film, ein Genuss.

  3. Heute war’s aufgrund des regen Medieninteresses (ORF Vorarlberg und NEUE am Sonntag) auf der Alp nochmals hektisch. Möge jetzt wieder Ruhe einkehren und alle können ihrem Tagwerk nachgehen und die Geschwindigkeit selbst bestimmen!

  4. Da steigt die Vorfreude… kann’s kaum noch erwarten, im August Oberdamüls kennen zu lernen!

  5. Sehr schöner Beitrag Michael. Tom

  6. es schaut echt so idyllisch aus, da kann man innerlich nur zur ruhe kommen! willst überhaupt noch runter ins tal??